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Recht / Zivilrecht 
Freitag, 08.06.2018

Verkehrssicherungspflichtverletzung im Bekleidungsgeschäft: Geöffnete Bodenluke stellt überraschende Gefahrenquelle dar

Das Oberlandesgericht Hamm entschied, dass eine im Kundenbereich eines Bekleidungsgeschäfts geöffnete Fußbodenluke eine überraschende Gefahrenquelle darstellt, auf die sich ein Kunde nicht einstellen muss, sodass ihm bei einem Sturz in die offene Luke 100 % Schadensersatz zustehen kann (Az. 9 U 86/17).

Im vorliegenden Fall wurde das beklagte Modehaus nach der Verletzung einer Kundin in seinen Geschäftsräumen von der klagenden Krankenkasse auf Ersatz aufgewandter Behandlungskosten in Anspruch genommen. Die Kundin fiel während der Geschäftszeiten im Kundenbereich eines Bekleidungsgeschäfts in eine geöffnete Fußbodenluke. Sie erlitt diverse Verletzungen an Schulter, Oberarm, Sprunggelenk und Fuß.

Das OLG Hamm hat das Modehaus dazu verurteilt, 100 % des Schadens zu erstatten. Nach Auffassung des Gerichts ist ein Mitverschulden der Kundin nicht feststellbar. In einem Bekleidungsgeschäft müsse ein Kunde allenfalls mit herabgefallenen Kleidungsstücken rechnen, nicht jedoch mit einer während des Publikumsverkehrs geöffneten Fußbodenluke. Eine solche sei eine so überraschende Gefahrenquelle, dass sie nur außerhalb der Geschäftszeiten geöffnet werden dürfe.

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